Zum Thema menschliche Vielfalt, Diversität und Selbstbestimmung

 
 

Eines der schönsten Dinge im Leben ist die Vielfalt – in all ihren Facetten und Formen, in denen sie sich zeigt. Doch wir leben aktuell noch immer in einer Welt, in der genau diese Vielfalt oft nur so weit akzeptiert wird, wie sie der eigenen Sichtweise entspricht.

Es kann herausfordernd und teils sogar gefährlich sein.

Menschliche Vielfalt ist kein persönlicher, politischer oder religiöser Standpunkt, es ist der natürliche Ausdruck des Lebens selbst!

Und jeder einzelne Mensch, der geboren wird, bringt seine eigene Form von Vielfalt mit in die Welt. Sie wird niemals verschwinden, sondern sich ihren Platz immer wieder nehmen. Sie wird sich durchsetzen und lässt sich niemals kleinbekommen. Sie ist stärker als alles andere, weil sie das Leben selbst ist und das lässt sich nicht von Kleingeistern einengen.

Es findet immer einen Weg und blüht mit neuer Kraft auf – immer wieder, bis auch der letzte Mensch verstanden hat, dass Vielfalt Leben ist!

 

Was wir nicht wählen und trotzdem sind

Wir werden mit einem bestimmten Geschlecht geboren (und bei manchen Menschen stimmen innen und außen eben nicht überein). Wir haben eine Hautfarbe, Augenfarbe, Haarfarbe. Wir bringen bestimmte Fähigkeiten, Wahrnehmungsweisen, einen Neurotyp, eine sexuelle Orientierung und noch einiges mehr mit.

Das sind alles Aspekte, die uns mitgegeben wurden und nicht solche, die wir uns aussuchen oder wo wir etwas entscheiden könnten.

Wir alle kommen mit einer bestimmten Vielfalt, auf die wir keinen Einfluss haben, in diese Welt. Und solange wir damit niemandem schaden, geht das niemanden etwas an und gilt es zu respektieren, zu schützen und anzunehmen. Denn jeder Mensch hat das Recht – auch wenn es Systeme gibt, die einem das nicht zugestehen wollen –, sich in seinem eigenen Sein zu entfalten, sich auszuleben und sich auszudrücken. Mit der wundervollen Vielfalt, mit der man geboren wurde und die wir alle individuell mitbringen.

Das alles ist Teil echter, wahrhaftiger, menschlicher Vielfalt. Sie ist wunderschön, in jeder Form, in der sie sich zeigt. Und genau dafür müssen wir gesellschaftlich Raum schaffen – nicht für wenige, sondern bestmöglich für alle.

Was wir dagegen wählen können

Ganz anders sieht es bei Entscheidungen aus – bei menschengemachten, erdachten Konzepten. Sie zeigen sich zum Beispiel in Politik, in Religionen und in den Worten sowie Handlungen, die daraus entstehen.

Das sind Entscheidungen: Wie gehe ich mit meiner Vielfalt und der von anderen um? Mit Unterschieden, mit anderen Menschen und ihrem Leben. Mit der Verantwortung, die ich habe, wofür ich stehe und wie ich mich in der Welt zeige.

Das sind Entscheidungen, die ich hinterfragen, verändern und bewusst einsetzen kann. Entscheidungen, für die ich selbst verantwortlich bin.

Dazu gehören eben politische und auch religiöse Denkweisen ebenso wie die kleinen alltäglichen Dinge wie Bücher, die wir lesen, Vereine, die wir unterstützen oder der Umgang mit unserem Gegenüber. Das ist all das, was wir frei wählen können.

Und genau hier liegt der entscheidende Unterschied:
Sobald ein Mensch beginnt, sich dafür zu entscheiden, eine Vielfalt anzugreifen – auf welche Weise auch immer –, trifft er eine Entscheidung,

  • die ihn selbst überhaupt nichts angeht,

  • von der er selbst wahrscheinlich nicht einmal irgendeine Ahnung hat und

  • die er selbst für sein Leben nicht anderen Menschen überlassen wollen würde.

 

Wer für sich und sein eigenes Leben Selbstbestimmung und das Recht auf eigene Entscheidungen beansprucht, muss sich auch aus dem Leben anderer heraushalten.

 

Niemand hat über das Leben von Menschen zu entscheiden und das Recht, die Freiheit sowie Selbstbestimmung eines anderen zu übergehen:

  • Niemand hat darüber zu entscheiden, wer wen lieben und mit wem das eigene Leben verbringen darf.

  • Männer haben nicht über den Körper und das Leben von Frauen zu entscheiden.

  • Und ja, Frauen haben genauso wenig das Recht über jemand anderen zu entscheiden.

  • Neurotypische Menschen haben nicht das Recht, über Anpassung oder Wahrnehmung neurodivergenter Menschen zu urteilen und zu entscheiden oder umgekehrt.

  • Nicht behinderte Menschen haben kein Recht über das von Behinderten zu entscheiden oder deren Wert zu definieren.

  • Lebende, gesunde Menschen (auch Ärzte) haben nicht das Recht, sich über die Selbstbestimmung von Kranken oder sterbenden Menschen hinwegzusetzten oder für sie zu entscheiden (vor allem nicht, wenn deren Wille bekannt ist).

  • Eine (fremde) Gruppen von Menschen, Parteien und allen voran der Staat hat sich nicht in die Leben von Menschen einzumischen. Und Menschen sollten diese Macht auch niemand anderem freiwillig geben oder es einfach zu- und geschehen lassen.

 

Wer anderen die Möglichkeit verweigert, sie selbst zu sein, wer Menschen unterdrücken, kleinhalten oder ihnen den Raum nehmen will, sich selbstbestimmt auszudrücken, der ist nicht politisch oder religiös – der ist schlichtweg respektlos, menschenfeindlich, egoistisch und arrogant.

Es gibt Dinge, die niemals zur Abstimmung oder Diskussion stehen sollten: Menschenleben und -rechte.

Und dazu gehören auch die Selbstbestimmung und -entfaltung von menschlicher Vielfalt.

Auch Privilegierte sind Teil der Vielfalt

Mir scheint auch, dass viele vergessen, dass auch die typischerweise privilegierten Menschen – wie ein weißer, neurotypischer, heterosexueller Mann – zur Vielfalt gehören. Er braucht nur oft niemanden, der für seine Rechte kämpft, weil er sie sich bereits in der Vergangenheit genommen hat und meist ohnehin schon alle besitzt.

Aber jeder Mensch sollte jede Form von Vielfalt achten und für die Rechte aller anderen einstehen – selbst dann, wenn die eigenen Rechte gerade nicht in Gefahr sind. Denn auch weiße, neurotypische, heterosexuelle Männer haben nur dann ein Recht darauf, sie selbst zu sein und respektiert zu werden, wenn sie anderen in ihrer Vielfalt denselben Respekt entgegenbringen.

Sonst verwehren sie anderen genau das, was sie selbst für sich einfordern.

Tatsächlich bin ich überzeugt, dass genau das auch den sogenannten privilegierten Männern helfen würde. Auch sie sind nicht ganz frei, sondern halten ein bestimmtes Bild von “Männlichkeit” aufrecht, obwohl sie oft doch tiefer, vielfältiger, komplexer sind als sie nach außen zeigen, was sich “für einen echten Mann gehört” oder von ihnen erwartet wird.

Sie sind also auch nicht immer in allem ganz frei, auch wenn es im Außen so scheint und es gesellschaftlich und bei Privilegien so sein mag.

Ich halte nichts davon gegen eine Gruppe von Menschen zu sein, unabhängig des Privilegs. Auch, wenn Männer in vielerlei Hinsicht privilegiert sind, die meisten Machtpositionen innehaben und diese oft auch ausnutzen.

Ich als Frau würde mich für Männer genauso einsetzen, wie für Frauen – genauso wie ich mich als Autistin für neurotypische Menschen einsetzen würde – wenn sie Ungerechtigkeiten erfahren. Vielfalt und soziale Gerechtigkeit helfen im Allgemeinen allen Menschen.

Warum wir uns für alle einsetzen sollten, nicht nur für uns selbst

Das Recht der anderen schränkt das eigene Recht nicht ein. Es stärkt es und uns als Gemeinschaft.

Es geht nicht darum, ob du selbst jemanden des gleichen Geschlechts lieben oder heiraten möchtest. Es geht nicht darum, ob du selbst behindert oder krank bist oder nicht. Es geht auch nicht darum, ob du Mann, Frau bist oder dich einem anderen Geschlecht zuordnet.

Es geht darum, ob Menschen – die anders geboren wurden als du – die gleiche Wahl und Selbstbestimmung für ihr Leben haben sollen.

Es geht um Respekt vor der menschlichen Vielfalt, der Natur und dem Leben selbst.

Wer sein Recht auf eigene Religion und eigene Überzeugungen dazu nutzt, die Rechte anderer außer Kraft zu setzen, kann schnell feststellen, dass genau diese Politik oder Religion nicht nur andere, sondern auch einen selbst einschränkt. Man folgt einem (Glaubens-)Konzept, dass sich jederzeit auch gegen einen selbst richten kann. Man lebt dann niemals frei, sondern immer im Kampf gegen etwas, was nicht einmal echt ist, sondern nur einem fremden, altem Denken entspringt.

Sie führt zur Unterdrückung fremder Vielfalt und dazu, eigene Entscheidungen Menschen aufzuzwingen, die anders geboren wurden.

Wer andere nicht achtet, achtet auch sich selbst nicht, sonst wäre ein tieferes Verständnis, eine Verbundenheit und vor allen Dingen kein Bedarf mehr an Ausgrenzung und Diskriminierung anderer da.

 

Das müssen wir nicht erkämpfen, erzwingen, sondern könnten es einfach ganz natürlich leben, indem wir uns erinnern, wer wir hier eigentlich sind. Denn alles beginnt bei jedem Einzelnen von uns:

Bei der tiefen Verbundheit zum eigenen wahrhaftigen Sein. Bei dem Respekt vor dem eigenen Leben und der Selbstachtung. Und von dort aus kann jeder für die Achtung des anderen einstehen oder noch besser: Alle können ganz selbstverständlich sie selbst sein und gleichzeitig die Vielfalt des anderen akzeptieren. (*träum* :-))

 

Wer anderen jedoch das Recht auf Selbstbestimmung nicht zugestehen will, sollte einmal das eigene Leben und die eigenen Rechte überdenken, die einem so selbstverständlich erscheinen und die einem in einer anderen Zeit oder gesellschaftlichen Phase ebenso genommen werden könnten.

Und wäre das der Fall, würden diese Menschen sofort für die eigene Vielfalt, das eigene Sein und Leben eintreten. Sie würden für Freiheit kämpfen, für Selbstbestimmung, für Würde und Wahlfreiheit. Sie würden für genau den Respekt und die Menschlichkeit kämpfen, die sie sich von anderen wünschen.

Wer sich gegen die persönlichen Angelegenheiten anderer stellt und die eigenen Überzeugungen aufzwingt, mag sich für intelligent oder vielleicht religiös halten, ist es aber nicht.

Es steht im Gegensatz zur göttlichen Quelle und der natürlichen Intelligenz, die nur durch Vielfalt erblühen kann.

Es geht also am Ende darum, anderen dieselbe Möglichkeit zur Wahl und zur Entfaltung zu geben, die man(n) selbst (meist) von Rechts wegen hat.

Gemeinsam stärker und nicht auf Kosten der anderen

Ich werde mich immer für soziale Gerechtigkeit und Menschenrechte einsetzen, auch wenn ich selbst nicht zu der jeweiligen Gruppe gehöre und betroffen bin. Es spielt keine Rolle, ob das eigene Recht gerade bedroht ist oder nicht. Die Menschheitsgeschichte zeigt – bis heute –, dass sich immer wieder auf bestimmte Minderheiten und Personengruppen eingeschossen wird und dass immer wieder versucht wird, ein neues Feindbild zu erschaffen.

Am Ende kann sich das jederzeit ändern und plötzlich einen selbst treffen. Das sollten sich gerade die Menschen mal bewusst machen, die so leichtfertig andere verurteilen und angreifen.

Wir stärken unsere eigenen Rechte nicht, indem wir sie anderen verweigern. Wir stärken sie, indem wir andere stärken.

Wir sind alle gemeinsam hier.

Wer das nicht versteht, lebt und den Menschen in ihrer Vielfalt dient, hat kein Recht auf irgendeine Machtposition. Respekt verdient niemand, der auf irgendeine Weise menschenfeindlich spricht und handelt, wer Vielfalt unterdrücken oder andere kleinhalten will – ganz gleich, welche Position er innehat.

 

Die vielfältigen Erfahrungswelten von Menschen sollten nicht angegriffen oder versucht werden, in die Strukturen weniger Kleingeister gesteckt zu werden. Ich träume von einer Welt, die Vielfalt nicht nur von einzelnen akzpetiert oder mitgedacht wird, sondern wirklich lebt, liebt, verkörpert und vereint.

Ich weiß, dass es beängstigend sein kann, sich wahrhaftig zu zeigen und für sich selbst einzustehen, wenn man zu einer Minderheit und wenig verstandenen, sichtbaren oder akzeptierten Gruppe gehört. Aber nichts ist wertvoller und erfüllender für das eigene Leben und auch für die Veränderungen, die wir sehen möchten, als der eigene wahre Ausdruck hier.

Wir können das immer im eigenen Rhythmus angehen und wir müssen uns nicht überall gleich offen zeigen, aber wir schulden es uns selbst, dass wir uns achten, schätzen und so in dieser Welt sind und wirken.

Lass uns gerne unverbindlich sprechen, wenn du spürst, dass du dich gerne mehr erkennen oder zeigen möchtest, aber nicht weißt wie und wo. Hier gehts zum Kennenlern-Call »

Alles Liebe
Andrea

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Die Wiederentdeckung des wahrhaftigen Selbstausdrucks mit Herz, Seele und deinem Sein.

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Von Wunschkunden-Definitionen, engen, falschen Zielgruppen zur echten Resonanz